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...der Anblick eines SWHs ist für mich wie das Schnurren einer Katze....

Im Internet gibt es sehr, sehr viele Rassebeschreibungen über den Saarlooswolfhond, die allgemein gehalten sind und die Rasse an sich beschreiben sollen. Ich möchte hier stattdessen über meine eigenen Erfahrungen mit dem Saarlooswolfhond berichten, insbesondere über das Zusammenleben mit Nisha aber auch über die SWHs, die ich sonst noch kennenlernen durfte. Und darüber habe ich mir mein eigenes Bild von der Rasse gemacht.

Ich werde oft gefragt: Ist ein SWH ein normaler Hund oder ist er anders? Hmmm....ich muß immer noch überlegen, was ich darauf antworte. Einerseits ist er irgendwie "anders", andererseits aber auch wiederum "ganz normal". Aber eines steht fest: Der SWH ist – zumindest für mich – etwas ganz Besonderes und Einzigartiges!

Zum ersten Mal sah ich den SWH auf einer Hundeausstellung in Offenburg. Ich dachte, ich träume – so eine Rasse kann es doch nicht geben! Ich war absolut fasziniert von den Hunden, von ihrer Ausstrahlung, dem Aussehen und der Ruhe, die sie ausströmten….diese Augen! Sie hatten eine ganz besondere Aura. Den ganzen Tag schaute ich immer und immer wieder bei den Hunden vorbei und stellte den Besitzern 1000 Fragen. Natürlich machte ich auch gleich einen Termin für einen Besuch aus.
Ich informierte mich dann auch über das Internet, lernte noch mehr SWH-Besitzer kennen und versuchte, einfach alles über diese Rasse herauszufinden.
Wir sind 1000e von km gefahren um diese Hunde zu sehen, sind auf Treffen, auf Ausstellungen gefahren….aber dennoch hatte ich Bedenken, mir wirklich solch einen Hund anzuschaffen, weil es Personen gab, die sagten, diese Rasse wäre viel zu scheu für das Alltagsleben. Ich hatte Angst, daß ich dem Hund nicht gewachsen bin und er im Alltag nicht bestehen kann. Ich beschäftigte mich dann aufgrund dessen auch mit dem Tschechoslowakischen Wolfhund und machte hier aber leider sehr schlechte Erfahrungen, so daß ich wieder Abstand von dieser Rasse nahm. Letztendlich gingen um die 5 Jahre in’s Land, ehe wir uns dann tatsächlich dafür entschieden haben, daß ein SWH bei uns einziehen wird. Ausschlaggebend war einfach, daß wir immer wieder auf Treffen gefahren sind und ich den einen oder anderen SWH näher kennenlernen durfte und ich immer faszinierter von diesen Hunden war, sie ließen mich einfach nicht los…..

Nisha ist von einer liebgewonnenen Freundin und Züchterin, die im September 2009 leider verstorben ist. Nisha hatte beste Voraussetzungen für den Start in’s Leben und wurde bestens sozialisiert. Sie wuchs in einem Rudel von 4 SWHs und einem Mops auf. Tilla, Nisha’s Mutter, war eine absolut liebe und verschmuste Hündin, absolut souverän und eine tolle Mutter. Weiterhin waren Nisha’s Halbschwester Tikaani, aus Tilla’s erstem Wurf, und die Nachwuchshündin Tiffy mit von der Partie. Clyde, der einzige Rüde im Rudel, war die Ruhe in Person und eine absolute Schmusebacke. Und dann war da noch Bonnie, die kleine Mopshündin, die immer ihr kleines Hundesofa mit den Welpen teilen mußte.

Wir sind alle 2 Wochen zu der Züchterin gefahren um die Welpen zu sehen – im Alter von 2, 4, 6 und schließlich 8 Wochen, obwohl es 600 km ein Weg zu fahren waren.
Erstaunt war ich, wie Yuma, unsere Schäferhündin, in das Rudel der Züchterin aufgenommen wurde. Als die Welpen 6 Wochen alt waren, nahmen wir Yuma mit gemischten Gefühlen das erste Mal mit, da die Züchterin meinte, es geht gut und wir sollen sie mitbringen. Nun kam Yuma, eine gut 3jährige Hündin, in ein bestehendes Rudel auf dem eigenen Grundstück, und das Rudel bestand aus 4 Hündinnen und einem kastrierten Rüden, wobei die Alphahündin gerade 4 Welpen hatte...
Was soll ich sagen? Es war sagenhaft!! Nachdem Tilla klargestellt hat, wer der Boß hier ist (indem sie Yuma lediglich zur Seite drängte, sich ihr sozusagen in den Weg stellte und Yuma brav auswich) war alles kein Problem! Selbst weitere Besuchshunde waren kein Problem und sie durften mit den Welpen zusammen laufen. Einmal waren 9 erwachsene Hunde und 4 Welpen im Flur und der Küche der Züchterin....ein Haufen Hunde, und NIX passierte!! Das wurde natürlich auch positiv im Wurfabnahmebericht aufgenommen!
Mit 8 Wochen durften wir Nisha dann endlich nach Hause mitnehmen. Unter Tränen drückte mir die Züchterin Nisha in die Arme und verabschiedete uns. Es war ein sehr bewegender und aufregender Moment. Bei der Heimfahrt hat Nisha zunächst fürchterlich geschrien, ich konnte sie kaum beruhigen. Dann kotzte sie mir ein paar Mal auf den Schoß um dann erschöpft einzuschlafen.

Zu Hause angekommen war die neue Umgebung so interessant, daß der Trennungsschmerz schnell verflogen war. Sie inspizierte gleich unseren Garten und das Haus. Sie zeigte keinerlei Scheuhheit, war sehr neugierig und wollte erstmal alles erforschen.
Und so blieb das auch! Nisha war absolut frei, sie war sehr offen gegenüber jedermann. Sie hatte keinerlei Probleme mit fremden Menschen, im Gegenteil. Sie konnte sich sehr gut einschleimen, lehnte sich gegen die Leute und ließ sich kraulen. Das gefiel den Leuten und Nisha wusste das offensichtlich. Sie begrüßt jeden, den sie sah und freute sich über jeden Besuch. Sie hat sogar durch ihre ruhige Art schon Leute dazu gebracht sie zu streicheln, die normalerweise Angst vor Hunden haben.

Nisha war also, entgegen aller Erzählungen, nicht die Spur scheu sondern genau das Gegenteil! Ganz klasse fand sie es, wenn wir mit ihr weggefahren sind und sie in eine fremde Wohnung durfte. Sie hat dann alles mit hocherhobenem Schwanz genau untersucht. Sie führte sich auf, als wäre sie daheim, auch wenn sie noch nie dort war.
Wir sind mit Nisha beinahe jeden Tag irgendwohin gefahren, nur, damit sie die Welt kennenlernt. Wir haben sie überall mitgeschleppt, haben viele Hunde getroffen, viele Menschen, viele fremde Orte erkundet. Durch Yuma hat Nisha natürlich auch sehr viel Sicherheit gewonnen - ein SWH als Zweithund zu einem Hund, der selbstbewußt und gut erzogen ist, ist ideal!! Sie schauen sich sehr viel ab und gewinnen sehr viel an Sicherheit durch den Althund.

Durch gute Sozialisierung in den entscheidenden Phasen kann man die Entwicklung eines SWH positiv beeinflussen. Einige SWH-Besitzer sind der Meinung, ein SWH gehöre nicht in die Stadt, mit einem SWH kann man nichts machen, und jaaa nie etwas härter anfassen, denn sie sind ja soooo sensibel....weit gefehlt!! Ein SWH muß gefordert werden....tut man dies, bekommt man einen tollen Begleiter.

In der Welpenschule hat sich Nisha super gemacht, wir gehörten immer zu den Besten und waren immer einen Schritt voraus. Der Trainer war sehr begeistert von Nisha. Sie hatte einfach Spaß an den Übungen, ich konnte sie jederzeit sogar aus dem Spiel heraus abrufen und sie meisterte alle Aufgaben mit Leichtigkeit. Allerdings muß ich dazu sagen, daß Nisha sehr bestechlich war – mit Leckerlie! Und das nutzte ich schamlos aus….
Dies funktioniert leider nicht bei allen SWHs so gut, ich hatte da mit Nisha viel Glück und die Hundeschule machte uns beiden sehr viel Spaß und wir haben sehr viel gelernt.

Nur eines war jedes Mal eine Tortur: Die Autofahrt in die Hundeschule. Die Fahrt dauerte etwa eine ¾ Stunde und Nisha war einfach eine absolut schlechte Autofahrerin. Leider ist dies ein allgemeines Problem, unter dem sehr viele SWHs und ihre Besitzer leiden. Nisha hat regelmäßig in’s Auto gekotzt, sie hat sogar das eine oder andere Mal reingekackt und sie hat jedes Mal gesabbert wir verrückt. Am Ziel angekommen, war Nisha patschnaß und Yuma obendrein auch, weil Nisha sie vollgesabbert hat. Es war wirklich sehr schlimm und ich war einfach machtlos und frustriert.

Doch es gab Rettung! Aus dem Dilemma halfen uns letztendlich bestimmte Reisetabletten aus Holland. Viele SWH-Besitzer verabreichen diese Tabletten mit großem Erfolg ihren Hunden – also dachte ich, das versuchen wir auch, denn ich wusste wirklich keine andere Lösung mehr. Und diese Tabletten wirkten bei Nisha wahre Wunder! Erstmals kam sie trocken am Reiseziel an. Wir konnten die Tabletten nach und nach ausschleichen und heute fährt Nisha ohne Probleme Auto. Es ist zwar nicht ihr Hobby, aber sie hat auch keine Probleme mehr damit, das Sabbern hat endgültig aufgehört.

Am meisten Schwierigkeiten bereitete aber die Stubenreinheit. Nisha wollte und wollte einfach nicht stubenrein werden....es war ein scheinbar endloser Kampf, der andauerte, bis sie etwa 6-7 Monate alt war. Ich hatte oft den Eindruck, daß sie das einfach für nicht so wichtig empfand, sie machte einfach rein und egal, wie wir schimpften, es hatte keine Auswirkung auf sie. Yuma war da ganz anders - sie war mit 9 Wochen zuverlässig stubenrein und fand es sogar schrecklich, wenn Nisha reingepinkelt hat.
Die Stubenreinheit ist bei vielen SWHs ein Problem, viele brauchen sehr lange dafür, gar bis zu 8 Monaten oder länger. Nisha hat uns sogar mehrmals auf's Bett gepinkelt und einmal sogar draufgekackt! Sie hat auch ohne weiteres in ihren Laufstall, in dem sie die Nacht verbrachte, reingemacht. Das hat mich viele Nerven gekostet....sie hat es fertiggebracht, 5 Mal in einer Stunde reinzumachen!! Es tat immer gut zu hören, daß es anderen genauso erging.
Nisha hielt uns die ersten 8 Wochen nach ihrem Einzug mehrmals die Nacht auf Trab, sie wollte einfach nicht durchschlafen. Wir waren wie gerädert.
Doch eines Tages passierte es fast von einem Tag auf den anderen und sie wurde plötzlich stubenrein. So als hätte sie selber den Zeitpunkt bestimmt und für sich entschieden, wann die Zeit reif ist, nicht mehr in’s Haus zu machen.

Da wir beide berufstätig sind, müssen die Hunde täglich ein paar Stunden alleine sein. Yuma, die es ja auch von klein auf gewohnt war, hat damit kein Problem und leistete somit Nisha gute Gesellschaft. Doch Nisha war es oftmals wohl etwas langweilig, so daß sie doch einige Dinge zerstört hat…..ein 50er Jahre Schuhschrank verlor ein paar Klappen, die Wände (Fermacell) wurden angenagt, die Treppenstufen (Gott sei Dank hatten wir noch die Bautreppe) wurden angenagt, die Haustüre hat gelitten und noch ein paar andere „Kleinigkeiten“....

Der demolierte 50er Jahre Schuhschrank - er hatte mal 5 bunte Klappen:

Der 50er Jahre dreieckige schwarze Glastisch hatte ein weißes Vlies zwischen Glasplatte und Tischplatte - ich habe keine Ahnung, wie Nisha es geschafft hat, dieses Vlies herauszuziehen, ohne daß die Glasplatte zu Bruch ging. Sie lag immer noch auf dem Tisch - einzig eine alte Porzellanschale ging dabei zu Bruch, den geflochtenen Henkel der Schale hat sie zerkaut:

Im Hausflur hat Nisha die Wände angenagt, die Haustüre habe ich nach dem ersten "Angriff" mit Klarsichtfolie zugeklebt und Chili und Tabasco draufgeschmiert (hat tatsächlich geholfen). Die angenagten Treppenstufen waren wie erwähnt noch von unserer Bautreppe, daher war wenigstens hier der Schaden gleich geschätzt - sie hat so ziemlich alle Treppenstufen bearbeitet:

Und die beste Aktion war das mit den gelben Säcken....eines Tages haben die Hundis es irgendwie geschafft, die Haustüre aufzukriegen. Ich vermute mal, daß Frauchen oder Herrchen die Türe nicht richtig geschlossen hat. Da zwischen Garage und Haus eine Windfang ist, dessen Türen ein Hund unmöglich aufkriegen kann, da sie sich selber zuziehen, konnten die Hunde nicht spazierengehen. Allerdings hat sich Nisha dann wohl anders beschäftigt - sie hat in der Garage gelbe Säcke gefunden...6 an der Zahl und das Ergebnis, als ich nach Hause kam, war dieses:

Geheult hat sie aber nie, wenn sie alleine war – na ja, sie war ja nicht alleine, sie hatte ja Yuma. Nur die Langeweile ließ sie allerlei Dinge „ausprobieren“.
Ihre Zerstörungswut war im ersten Lebensjahr am schlimmsten, dann wurde es immer weniger. Im zweiten Lebensjahr geschah nur noch sehr sporadisch mal etwas und seit dem dritten Lebensjahr kann man sagen, daß sie nur noch ein Engel ist. Es geht nichts mehr kaputt, obwohl sie Zugang zum Büro und Schlafzimmer hat.
Seit Kurzem haben Yuma und Nisha ihr neues Freigehege bezogen und es gefällt ihnen sehr gut. Dort haben sie frische Luft, Sonne, Schatten, sie können auf Gras, Holz, Kies und weichen Polstern liegen, gerade, wie es beliebt. Man kann schön buddeln und wenn es sein muß auch mal Pipi machen. Nisha geht sehr gerne morgens in’s Freigehege, wo ich sie dann erstmal füttere. Während ich dann noch mal rausgehe (die Tore stehen natürlich dann noch offen) um den Wassernapf frisch zu füllen, legt sich Nisha in die Gartenhütte auf die weichen, gemütlichen Polster. Wenn ich zurückkomme, um den Napf reinzustellen, schaut sie mich nur an und „sagt“, daß ich jetzt gehen kann, ihr geht es ja gut. Im Freigehege haben sie es natürlich schöner als im Haus.

Nisha erinnert mich immer sehr stark an eine Katze – sie war als Welpe sehr selbständig, hatte ihren eigenen Kopf, manchmal kam es mir vor, als lebe sie in ihrer „eigenen Welt“, in die sie so schnell niemanden reinläßt. Es dauerte etwa 2-3 Monate, bis ich das Gefühl hatte, daß Nisha eine Bindung zu uns aufbaut – diese Bindung ist heute sehr eng und es wird mit jedem Tag intensiver.

Der SWH braucht in manchen Dingen einfach länger. "Geduld und Spucke" ist der Lieblingssatz, wenn man verzweifelt um Rat fragt. Und ich kann nur sagen: Es stimmt. Kommt Zeit, kommt Rat, aber es kommt

Nisha bewegt sich auch wie eine Katze – mit einer enormen Leichtigkeit, Mühelosigkeit, leise, manchmal wie ein Geist….gerade war sie noch hier, plötzlich ist sie dort….springen kann sie wie eine Feder und man meint, es strengt sie nicht im geringsten an.
Und sie schmust wie eine Katze - man kann sie stundenlang kraulen und sie kriegt einfach nicht genug davon. Sie würde manchmal am liebsten in uns reinkriechen, das ist der Wahnsinn und superschön. Ich genieße das in vollen Zügen!

Nisha war bis zum Alter von 9 Monaten absolut frei und hatte keine Probleme mit fremden Menschen, Situationen, Umgebungen…Doch dann fand wieder das alljährliche SWH-Treffen in Nettetal statt. Wir kamen dort nachts um 23:00 Uhr an, im strömenden Regen. Das Treffen findet auf einem eingezäunten Gelände mit einem kleinen Weiher statt. Wir haben Yuma und Nisha aus dem Auto gelassen und sind auf das Gelände gegangen. Keine 10 Minuten später hat Nisha plötzlich geschrien wie am Spieß, kam angerannt und ich roch sofort, daß sie sich vollgepinkelt hat. Da war mir schnell klar, was passiert ist – sie hat einen deftigen Stromschlag bekommen von dem Pferdezaun, der an das Gelände angrenzte. Nisha war völlig durch den Wind, sie war ja naß und es hat vermutlich ordentlich gezündet.
Irgendwie scheint sie dieses Erlebnis auf den Platz bezogen zu haben und auf die Leute, die da waren. Sie war ab diesem Zeitpunkt wie umgedreht und ich hatte plötzlich einen eher scheuen Hund, der fremde Leute anbellte. Das hielt die ganzen drei Tage an, an denen wir auf dem Treffen waren….und es sollte noch viel länger anhalten.
Ich kannte bereits die Gerüchte von SWHs, die im Alter von 7-9 Monaten plötzlich scheu wurden und konnte mir das nie wirklich vorstellen. Doch nun erlebte ich es selbst an meinem eigenen Hund. Der Stromschlag war wahrscheinlich der Auslöser – aber vermutlich wäre es dennoch passiert, wenn es nicht der Stromschlag gewesen wäre, wäre es was anderes gewesen. Im Alter von 7-9 Monaten beginnt auch für junge Wölfe der Ernst des Lebens und sie gehen erstmals mit auf die Jagd – den jugendliche Leichtsinn und die Unbekümmertheit kann man da nicht mehr brauchen. Es geht nun um’s Überleben, man muß Vorsicht walten lassen und sieht die Dinge plötzlich mit anderen Augen, nicht mehr durch die kindliche rosarote Brille.
Ich schätze mal, daß dies ein Zusammenhang sein könnte zu den Verhaltensänderungen beim SWH in diesem Alter.
Nisha hatte also ab diesem Ereignis in Nettetal teilweise scheue Phasen, hatte Angst vor Dingen, die ihr zuvor nie Angst gemacht hat – sie hatte sogar Angst vor ihr längst bekannten Personen. Wir haben also eine Art zweite Sozialisierung begonnen und sind wieder verstärkt mit ihr in die Stadt gegangen, haben sie überall mitgeschleppt und viel geübt. Es war ein Auf und Ab – mal ging es besser, mal wieder schlechter. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus ihr. Das Schlimmste, was man in solch einer Phase machen kann, ist den Hund zu bedauern. Ich habe versucht, ihr Verhalten einfach zu ignorieren und ihr Sicherheit zu geben, in dem ich ihr zeigte, daß es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Es hat leider nicht immer funktioniert.
Diese Phase dauerte etwa ein halbes Jahr an, bis es plötzlich stetig besser wurde. Ich hatte auch manchmal den Eindruck, als würde auch ihr hormoneller Status eine Rolle spielen, also ob eine Läufigkeit anstand oder sie sich in der Phase inmitten zwei Läufigkeiten befand. In letzterer Phase ist sie immer sehr gut gelaunt wohingegen sie sich in der Phase der Läufigkeit eher vorsichtiger verhält.

Heute mit 3 Jahren hat Nisha ein stabiles Wesen. Sie ist reserviert gegenüber Fremden, aber nicht scheu. Sie würde nie knurren oder aggressiv reagieren, auch wenn sie mal bedrängt wird oder Angst hat – nicht mal beim Tierarzt. Lieber weicht sie zurück oder sucht Schutz bei mir. Manche Personen kommen sehr schnell an sie ran – bevorzugt Hundebesitzer. Männer tun sich etwas schwerer. Nisha möchte sehr gerne Kontakt aufnehmen, denn sie ist sehr neugierig. Wenn fremde Personen zu uns kommen, bellt sie manchmal und bleibt auf Abstand. Wichtig ist, daß die Personen Nisha ignorieren und ihr nicht in die Augen schauen – was den meisten Leuten sehr schwer fällt, weil sie fasziniert sind von Nisha’s Blick. Doch wenn sie ignoriert wird, fühlt sie sich schnell sicherer und beginnt selbständig, Kontakt aufzunehmen. Sie geht hin, schnüffelt, leckt die Hand….und wenn die Hand beginnt, sie zu streicheln, genießt sie es sehr schnell und das Eis ist gebrochen.
Es ist für mich immer wieder schön zu beobachten, wie sehr Nisha auf die Körpersprache der Menschen reagiert, vor allem auf die Blicke, die man ihr zuwirft – Menschen, die sich aus ihrer Sicht heraus korrekt verhalten, haben sehr schnell ihre Gunst gewonnen.

Eine Frage, die auch immer wieder auftaucht, ist die Frage nach dem Jagdtrieb. Natürlich ist der Jagdtrieb vorhanden und wenn man sie lassen würde, würde sie auch jagen gehen – wie viele andere Hunde auch. Aber ich habe das Glück und kann Nisha sehr gut kontrollieren. Yuma hat auch ihren Anteil daran und war Nisha eine gute Lehrmeisterin. Yuma spürt zwar das Wild oder die Katzen auf, aber sobald das Wild/die Katze wegrennt dreht Yuma um, rennt zu mir und will spielen. So hat Nisha keinen Jagdpartner – alleine diese Tatsache würde sie aber nicht von der Jagd abhalten. Es hat mich viel Mühe und eine Menge Leckerlies gekostet, aber es hat sich gelohnt – Nisha kann jederzeit ohne Leine laufen, auch im Wald und ich kann sie sogar zu 95% abrufen, wenn das Wild direkt vor Nisha’s Nase aufspringt. Diese Situation hatten wir schon sehr oft. Auch die Katzen in der Nachbarschaft können sich glücklich schätzen, denn Nisha bleibt wie angewurzelt an der Grundstücksgrenze stehen und beobachtet die Katze nur. Nisha bildet hier aber wohl eher eine Ausnahme bei den SWHs. Es macht das Zusammenleben mit ihr einfach sehr angenehm und Spaziergänge sind sehr stressfrei, obwohl wir in einer wildreichen Gegend wohnen und rundum Wälder sind.

Oben rechts im folgenden Bild ist im Feld eine Katze zu sehen:

Hier ist die Katze mit einem Pfeil markiert - Nisha wußte nicht, daß ich sie beobachte. Ich war im Haus, als ich zufällig sah, wie Nisha die Katze beobachtet und ich konnte es auf Photos festhalten:

Ein SWH ist hervorragend geeignet für das Zusammenleben mit einem oder mehreren Hunden. Natürlich muß auch hier der Besitzer gewisse Regeln einhalten und für klare Strukturen innerhalb des Rudels sorgen. Ich persönlich kann es mir kaum noch anders vorstellen und möchte es nicht missen, mindestens zwei Hunde zu haben. Yuma und Nisha sind ein super Team geworden. Yuma war eine tolle Tante für Nisha und heute sind die Zwei einfach wie Pech und Schwefel. Yuma hat die Erziehung von Nisha in jedem Fall sehr positiv beeinflusst und mir so manche Dinge erleichtert. Nisha akzeptiert noch heute Yuma als Chef, andersrum zeigt aber auch Yuma in bestimmten Situationen Respekt vor Nisha. Und so klappt es hervorragend und wir haben ein völlig stressfreies, spannungsfreies Rudelleben.

Das Zusammenleben mit Nisha ist eine wahre Freude, obwohl wir auch schwierige Zeiten hinter uns haben. Sie ist einfach ein Traumhund geworden und ich möchte sie nicht mehr missen. Ich liebe diesen Hund einfach und sie fasziniert mich jeden Tag immer wieder auf’s Neue!

...geschrieben am 12.12.2006

Update 20. September 2012

Inzwischen sind fast 6 Jahre vergangen. Nisha ist bald 9 Jahre alt und in der Zwischenzeit ist einiges geschehen, teils auch ausführlich hier auf der HP dokumentiert in Bildern und Videos.

           

Im April 2007 hat Nisha ihre ersten Welpen geboren, es war unser A-Wurf, aus dem wir unsere Timish behalten haben. Im Juli 2009 hat Nisha dann zum zweiten Mal Welpen bekommen, unseren B-Wurf. Auch aus diesem Wurf haben wir eine Hündin behalten, unsere Shaya.
Im Juli 2011 ist unsere geliebte Schäferhündin Yuma verstorben, unangefochtene Chefin des Rudels.
Aus Shaya's Wurf (D-Wurf) vom Juni 2012 haben wir wiederum eine Hündin behalten, Nisha's Enkelin Yasha.

So hat sich das Rudel gewandelt, Nisha jedoch ist immer der gleiche ruhende Pol im Rudel geblieben. Nach Yuma's Tod hat sie die Chefrolle übernommen und macht dies sehr souverän, nur ihre Anwesenheit genügt, sie muß gar nicht viel machen, um respektiert zu werden.
Nisha ist eine sehr selbstsichere Hündin geworden, die Ruhe in Person, aber sie kann auch fröhlich toben mit ihren Töchtern und nun auch mit ihrer Enkelin, dabei wird sie auch mal sehr kindisch :) .
Ihre Verschmustheit hat den Höhepunkt erreicht, wenn man das so sagen kann. Jeder Besucher wird hierfür mißbraucht und fängt man einmal an, sie zu kraulen, hat man verloren und kann das stundenlang weitertreiben. Andernfalls beschwert sie sich ordentlich mit einem Prankenhieb.
Nisha ist meistens sehr offen zu Fremden, es gibt nur wenige Situationen, in denen sie vorsichtig reagiert. Nur ganz fremde Besucher werden die erste Minute etwas mißtrauisch beäugt, bevor sie für "gut" befunden werden. Das Eis bricht aber in fast allen Fällen sehr schnell, oft auch sofort.
Als Oma hat sie sich sehr hingebungsvoll um ihre Enkel gekümmert, genauso wie um ihre eigenen Babies. Sie lag zusammen mit Timish und Shaya in der Wurfkiste und hat die Welpen gepflegt - Nisha war dann im 7. Himmel :).

     

Leider gibt es auch Negatives zu berichten. Kurz nach der Geburt von Nisha's zweitem Wurf wurde im August 2009 bekannt, daß es einen Gentest auf Degenerative Myelopathie (DM) für den Saarlooswolfhond gibt. Wir haben Nisha und auch Binky (der Vater unseres B-Wurfes) als einer der ersten SWHs auf DM testen lassen. Im September 2009 kam dann die niederschmetternde Nachricht: Nisha ist genetisch betroffen von DM. Das einzige Glück war, daß sowohl Binky als auch Tunka (der Vater unseres A-Wurfes) frei sind von dem Defektgen, so daß die Nachkommen von Nisha zwar alle Träger sind, aber klinisch gesund sind.


Es heißt ja, daß nicht alle genetisch betroffenen Hunde unbedingt erkranken müssen, sondern daß sie "nur" ein extrem hohes Risiko haben zu erkranken. So klammerte ich mich an diese Hoffnung...obwohl ich bis heute nicht weiß, ob das beim SWH tatsächlich zutrifft, denn ich habe persönlich noch von keinem Fall gehört, bei dem ein genetisch betroffener SWH nicht auch erkrankt ist. Falls jemand so einen Fall kennt - ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich kontaktieren würden und darüber berichten würden!


Jedenfalls habe ich mich dann im Laufe der Zeit immer wieder dabei ertappt, wie ich Nisha beim Laufen beobachtet habe. Die Angst, daß sie Symptome bekommt, war groß - auch wenn ich immer versucht habe, es zu verdrängen und von mir wegzuschieben. Zu meinem Schrecken bemerkten wird dann tatsächlich etwa im Juni 2011 zum ersten Mal, daß Nisha die Krallen rechts hinten immer mal wieder über den Boden geschliffen hat, wenn sie auf Teerstraßen lief. Es war anfangs kaum merklich und wir dachten zunächst, wir bilden es uns ein. Doch es wurde dann immer deutlicher und schon bald war klar, daß etwas nicht stimmt.


Im September 2011 sind wir dann zum Tierarzt und haben ein Röntgenbild von der Wirbelsäule anfertigen lassen. Anhand dessen konnte man aber keine eindeutige Diagnose stellen, somit entschieden wir uns für ein CT, welches schon eine Woche später gemacht wurde. Auch hier war der Befund nicht ganz klar, die Vermutung war aber ein leichter Bandscheibenvorfall. Zuerst waren wir frohen Mutes und dachten "alles halb so schlimm, es ist doch keine DM!" und haben sie zuerst klassisch schulmedizinisch behandelt. Leider ohne Erfolg, deswegen haben wir dann im November 2011 eine Physiotherapie begonnen mit dem Ziel, daß Nisha wieder ganz gesund wird und die Symptome verschwinden. Doch es trat keine Besserung ein, im Gegenteil. Nisha hat immer stärker die Krallen über den Boden geschliffen, so daß ich nun künstliche Krallen eingesetzt habe, erstmal aber nur an der rechten Hinterpfote und nur an den mittleren zwei Zehen, um zu verhindern, daß sie sich die Krallen bis auf das Leben abwetzen und es dann zu bösen und schmerzhaften Entzündungen kommt.

Im Februar 2012 war mir klar, daß da mehr dahinterstecken muß als nur dieser leichte Bandscheibenvorfall, an den ich mittlerweile schon lange nicht mehr glaubte. Nisha begann nun auch mit der linken Hinterpfote über den Boden zu schleifen und verlor beim Pinkeln auf drei Beinen (was sie immer tat) immer öfter das Gleichgewicht. Was dazu kam war, daß sie eindeutig keinerlei Schmerzen hatte - auch die Physiotherapeutin konnte keinen Schmerzpunkte feststellen. Sehr ungewöhnlich bei einem angeblichen Bandscheibenproblem.


Somit haben wir uns dazu entschlossen, ein MRT an der Uni Zürich machen zu lassen, um endlich Gewißheit zu bekommen. Das MRT an der Uni Zürich war zu diesem Zeitpunkt ganz neu und das beste MRT in Europa und darüber hinaus (Humanbereich eingeschlossen). Somit konnten wir hier eine genaue Diagnose bei einem Spezialisten (Neurologe) erwarten. Leider hat sich dadurch bestätigt, was ich befürchtet habe: Nisha hat mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Degenerative Myelopathie (zu 99%). Die 100% Diagnose könnte letztendlich die mikroskopische Untersuchung des Rückenmarks liefern (Autopsie). Der leichte Bandscheibenvorfall hat sich nicht bestätigt, der Rücken hat sich altersgerecht ganz normal dargestellt. Was man also auf dem CT im September 2011 sah, war nur eine leichte Abnutzung einer Bandscheibe, was aber laut dem Spezialisten aus Zürich absolut normal für einen Hund in diesem Alter ist und er dies sehr häufig auf dem MRT sieht. Er sagte mir wörtlich "Vergessen Sie das einfach!". Somit gab es keine offensichtliche Erklärung für die Symptome, weil das MRT laut Spezialist "ohne Befund" war und sich der Spinalkanal durchgehend als völlig gesund darstellte und auch sonst keine Auffälligkeiten am Rücken waren. Aufgrund dieser Tatsache zusammen mit dem Ergebnis der neurologischen Untersuchung und der Schmerzfreiheit konnte der Spezialist nur auf DM schließen. Dies paßt dann letztendlich auch zum Gentest und auch zum gesamten Verlauf der Krankheit.

Nun hatten wir die schreckliche Gewissheit, daß Nisha an DM erkrankt ist und wir effektiv nichts für sie tun können, um sie zu heilen. Diese Krankheit schreitet unbarmherzig voran und ist nicht aufzuhalten, mit keiner Therapie, mit keinem Medikament.

Wir können nun nur versuchen, die Zeit mit ihr zu genießen und den Verlauf eventuell mit Physiotherapie zu verlangsamen (auch wenn nicht gewiss ist, ob das überhaupt gelingt). Wir machen seitdem zweimal die Woche Physiotherapie mit Unterwasserlaufband und Interferenz-Strom und Nervenstimulation. Wir laufen viel mit ihr, um die Muskeln zu erhalten.

Nisha bei der Physiotherapie (bitte darauf klicken, dann öffnet sich ein Album mit mehr Bilder):

Photo Dastan


Im ersten Jahr nach den ersten Symptomen war der Verlauf insgesamt sehr langsam, teilweise stagnierte es und Nisha kam gut klar. Bis auf das Schleifen mit den Hinterpfoten über den Boden hatte sie keine schlimmen Symptome. Wir hofften schon, daß es so weitergehen würde....doch leider war dem nicht so.
Seit ca. Mai 2012 verschlechterte es sich zunehmend und teilweise wirklich erschreckend schnell. Von Woche zu Woche sah man Verschlechterungen. Angefangen hat es mit Problemen beim Treppen laufen, zuerst ging es nur noch mit unserer Unterstützung, indem wir sie hinten führten, aber schon bald mußten wir sie tragen. Auch auf glattem Boden rutschte sie nun immer mehr aus und sie wurde immer instabiler und unkoordinierter in der Hinterhand.
Im Juli 2012 hat sie die erste Anabolika-Spritze bekommen, um den Muskelabbau zu begrenzen.
Seit August 2012 braucht sie an allen Krallen die künstlichen Krallen, weil sie so stark mit den Pfoten über den Boden schleift. Seit September 2012 setzen wir zusätzlich zur Physio den Biko-Expander ein, welcher ihr einerseits beim Laufen hilft, andererseits die Muskeln trainiert. Die ersten Erfolge waren schon nach ein paar Tagen sichtbar.

   

Nun sind auch bald Pfotenschutzschuhe unverzichtbar, weil sich Nisha seitlich die Zehen aufschürft und der Krallenschutz alleine nicht mehr ausreicht.
Nisha hat seit Kurzem (September 2012) starke Probleme beim Aufstehen und bleibt deswegen immer öfter lieber liegen. Oft bedarf es einiger Überredungskunst und natürlich Hilfe, damit sie aufsteht. Wenn sie dann mal in Bewegung ist, geht es einigermassen, wenn auch zunehmend schwankend/unkoordiniert. Dennoch läuft sie immer noch eine Stunde mit spazieren, der Biko-Expander hilft ihr dabei enorm.
Psychisch ist sie immer noch "unsere alte Nisha", sie hat gute Laune, spielt sogar mit ihrer Enkelin Yasha, hat immer Hunger und ist verschmust wie eh und je. Somit ist dies der einzige Trost - sie hat keine Schmerzen und muß in dem Sinne (noch) nicht wirklich leiden, weil es ihr seelisch so weit gut geht und sie das Leben noch genießen kann und "voll dabei" ist.
Wir hoffen inständig, daß das noch lange so bleibt und Nisha uns noch lange begleiten wird. Ein Leben ohne sie ist für mich unvorstellbar....auch wenn mir bewußt ist, daß diese Krankheit nicht aufzuhalten ist und jede Minute mit Nisha wertvoll ist.

Video von Nisha am 20. August 2012 - seit ca. 14 Monaten Symptome:

Update 13. Januar 2013

Inzwischen sind 4 Monate vergangen und ich möchte weiter über den Verlauf von Nisha's Krankheit berichten.
Weiter oben habe ich den Biko-Expander beschrieben und auch Photos von Nisha mit dem Biko gezeigt. Die Photos zeigen aber nicht den positiven Effekt vom Biko-Expander - ein Video ist da natürlich sehr viel aussagekräftiger. Deswegen habe ich ein Video zusammengeschnitten, welches am 16. September 2012 entstanden ist. Nisha hatte zu dem Zeitpunkt seit ca. 15 Monaten Symptome und der Biko war erst seit Kurzem im Einsatz. Das Video zeigt Nisha zuerst ohne Biko im Schritt und im Trab und danach mit Biko. Man sieht deutlich, daß sie ohne Biko stark mit den Pfoten über den Boden schleift und oft überkötet (d.h. die Pfote "umdreht" und den Pfotenrücken über den Boden schleift), was natürlich Schürfwunden und abgeschliffene Krallen zur Folge hat und sich auch insgesamt negativ auf das Gangbild auswirkt. Mit Biko hebt sie die Pfoten deutlich an, somit schleift sie diese nicht mehr über den Boden und überkötet nicht mehr. Der andere positive Effekt ist, daß die Muskeln trainiert werden, denn sie muß gegen den Biko arbeiten, wenn sie die Hinterbeine nach hinten führt.

Zum Betrachten des Videos bitte auf das Bild klicken:

Natürlich haben wir auch die Physiotherapie weitergeführt und auch hier sind Videos entstanden welche ich zusätzlich zu den bereits gezeigten Photos (s.o.) hier zeigen möchte. Unsere anderen drei Weiber - inzwischen wurde unser Rudel von Shaya's Tochter bereichert - also Timish, Shaya und Yasha, durften oft mit zur Physio gehen, was sie toll fanden, denn da gab es immer einen Haufen Leckerlies für alle.
Yasha, die auf folgendem Video vom 4. September 2012 10 Wochen alt war, fand sowieso alles spannend bei der Physio und klaute mit Vorliebe das Sieb vom Abfluss der Dusche...bitte auf das Bild klicken!

Auf folgendem Video vom 4. Oktober 2012 war Yasha 14 Wochen alt. Inzwischen fand sie auch das Wasserbecken super und ist kurz nachdem das Video entstanden ist mit Karacho und mit einem großen Platsch reingesprungen :) . Die Physiotherapeutin hat sie beherzt gerettet, der Dank dafür war, daß sie und der Raum klatschnass waren *lol*. War ziemlich lustig, zumal Yasha völlig unerschrocken war und wohl einfach nur eine Runde schwimmen wollte. Leider hat man in solchen Situationen die Kamera nicht in der Hand....

Nisha konnte zwar schleichend langsam immer schlechter laufen, aber im Großen und Ganzen kam sie noch gut klar und konnte nach wie vor die tägliche große Runde mitlaufen, welche 1 - 1 1/2 Stunden dauert. Doch dann hatte sie Anfang November 2012 plötzlich einen starken Infekt. Sie hat nichts mehr gefressen, nichts getrunken, wurde apathisch, wollte gar nicht mehr laufen oder gar aufstehen und hatte hohes Fieber (über 40°C). Sie war dann zwei Tage stationär in der Tierklinik, bekam Infusionen und diverse Medikamente und wurde auf den Kopf gestellt, um herauszufinden, was sie hat (Ultraschall, Röntgen, Blutbild etc.). Aber außer, daß das Blutbild und der Ultraschall (vergrößerte Milz) zeigte, daß sie einen Infekt hat, konnte man leider nicht feststellen, was die Ursache war. Durch die Behandlung in der Tierklinik wurde es aber langsam besser und wir durften sie wieder nach Hause nehmen. Es dauerte aber dennoch einige Tage, bis sie wieder ihren alten Appetit hatte und wieder ganz gesund war. Der Infekt war nun überstanden, doch mit dem Laufen war es deutlich schlechter als es vor dem Infekt war. Wir hofften, daß sie sich auch hiervon vollständig erholt, aber leider war dem nicht so. Es hat sich zwar wieder deutlich gebessert, aber ingesamt war es schlechter als vorher und seitdem ging es viel schneller bergab als zuvor. Vermutlich hat der Infekt einen Schub ausgelöst :( . Man ist einfach machtlos.

Wenn Nisha schläft und träumt, kann sie wieder laufen...in ihren Träumen rennt sie durch die Gegend, spielt vielleicht mit den anderen oder läuft durch den Wald und über die Wiesen. Ihr Handicap scheint sie sehr zu beschäftigen, denn seit einiger Zeit träumt sie unwahrscheinlich stark und bewegt ihr Beine sehr heftig, so als würde sie rennen und das macht sie mehrmals am Tag und nachts wache ich sogar manchmal davon auf.

Ende Dezember 2012 / Anfang Januar 2013 war es so weit fortgeschritten, daß sie oft unsere Hilfe brauchte, weil sie das Gleichgewicht verlor und sich kaum noch selber richtig auf den Beinen halten konnte. Nisha bekam nun eine massgeschneiderte Tragehilfe von der Tierorthopädie Pfaff:

Damit können wir sie für "kleinere Gänge" nun gut unterstützen. Doch der tägliche Spaziergang kann damit nicht kompensiert werden, denn die große Runde konnte sie nach dem Infekt nur noch ein oder zweimal laufen, danach ging es einfach nicht mehr und wir mußten den Spaziergang auf eine kleine Runde (max. eine viertel bis halbe Stunde mit Pausen) einschränken. Natürlich ist das so kein Leben und wir haben uns deswegen entschieden, einen Rollwagen für sie zu kaufen. Viele Videos im Internet haben mich überzeugt, es zu versuchen, obwohl das Gelände bei uns alles andere als einfach ist. Denn wir haben keine geteerten Wege, nicht mal schöne ebene Feldwege mit Kies...sondern es geht hauptsächlich über Wiesen, querfeldein oder über Feldwege, die sehr uneben und nicht gekiest sind. Wir haben beschlossen es zu versuchen und ich habe einen Rollwagen in Frankreich bestellt. Die Herstellerseite ist http://www.handicappedpets.com.

Am 4. Januar war es dann soweit, zu diesem Zeitpunkt hatte sie ca. 19 Monate Symptome. Der Rollwagen war da und wir konnten ihn zum ersten Mal ausprobieren. Wir waren sehr erstaunt, wie gut das klappte. Nisha hatte überhaupt keine Angst vor dem Ding, sie hat sich den Rolli ohne Probleme anpassen lassen und ist sofort damit losgelaufen, als wär's nix! Für uns war das eine große Freude zu sehen wie gut das ging und sie so schnell damit klarkam! Sie kann im Rolli sogar ihr kleines und großes Geschäft machen, was sie schon beim ersten kleinen Ausflug bewiesen hat.
Auch die Wiesen und Feldwege stellen kein Problem dar. Natürlich ist es teilweise anstrengend für sie wenn sie eine Hürde nehmen muß, aber es funktioniert! Die ersten Tage sind wir zur Gewöhnung nur kleinere Strecken gelaufen, sie mußte ja auch erst wieder trainieren und etwas Kondition bekommen. Nach gut einer Woche, am 12. Januar 2013, haben wir zum ersten Mal wieder eine größere Runde gewagt, wobei das folgende Video entstanden ist:

Und diese Photos sind auch an diesem Tag entstanden (bitte auf das Photo klicken, dann öffnet sich ein Album):

Photo Nisha

Nisha ist bei dieser Runde erstmals wieder aufgeblüht, hat wieder angefangen zu schnuppern, nach den Mäusen in der Wiese zu lauschen und gegen Ende der Runde hat sie sogar angefangen zu traben und lief immer schneller! Obwohl wir 1,5 h (mit viel Pause) unterwegs waren zeigte sie bis zum Schluß keine Ermüdungserscheinung und hatte gute Laune - die beste Laune seit langem :) . Der Rolli gibt ihr die Möglichkeit, wieder den täglichen Spaziergang zusammen mit den anderen Hunden mitzumachen statt in dieser Zeit alleine zu Hause zu bleiben und sie kann wieder all die interessanten Düfte aufnehmen, die es auf der kleinen Runde so nicht gab. Auch trainiert sie wieder besser ihre Hinterhand, weil sie ja trotz Rolli hinten mitläuft, dies wirkt natürlich auch einer Inkontinenz entgegen - zumindest vorläufig. Dies wird unterstützt durch den Biko-Expander, den wir nun mit dem Rolli kombinieren. Den Biko konnten wir in den letzten Wochen bei Nisha gar nicht mehr anwenden, weil sie nicht mehr die Kraft dazu hatte. Der Kreislauf kommt wieder in Schwung und ihrer Psyche tut es einfach gut, wieder selbständig dahin laufen zu können wo SIE will.

Der Rolli stellt momentan eine echte Bereicherung dar, was ich noch vor ein paar Monaten nicht für möglich gehalten habe, weil ich so einem Rollwagen immer skeptisch gegenüber stand und immer dachte, daß es bei unseren Geländeverhältnissen einfach nicht geht. Doch nun wurde ich eines besseren belehrt und ich hoffe, daß dies Nisha und uns noch eine schöne Zeit beschert.
Zum ersten Mal hoffe ich auf einen (ab sofort) schneefreien Winter...

Update 6. Dezember 2013

Heute darf Nisha ihren 10. Geburtstag feiern! Wir hätten nicht gedacht, daß sie das noch schafft. Aber sie ist eine Kämpferin. Schon 2 1/2 Jahre hat sie nun Symptome von Degenerativer Myelopathie. Das letzte Update in diesem Artikel war im Januar und es ist schon wieder fast ein Jahr vergangen. Höchste Zeit, Nisha's Geschichte weiter zu erzählen.

Meine Hoffnungen auf einen schneefreien Winter haben sich nicht erfüllt und der nächste Winter hat sich jetzt schon angekündigt. Erstaunlicherweise kam Nisha im letzten Winter recht gut mit dem Schnee klar. So lange nicht zu viel Schnee lag (so ab 20 cm) oder der Schnee nicht hart gefroren war, kam sie gut durch. Wir haben zwar ggf. die Länge der Spaziergänge entsprechend angepasst, da es ja doch sehr anstrengend für sie war, den Rolli durch den Schnee zu ziehen. Aber im Großen und Ganzen hat es gut geklappt und sie konnte den Winter genießen. Hin und wieder haben wir sie aus dem Rolli gehoben, so daß sie sich in den Schnee legen und wälzen konnte. Sie liebt das :) .

Um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie das Jahr für Nisha verlaufen ist, habe ich ein Photoalbum vom Jahr 2013 zusammengestellt und zeige hier auch einige Videos, die im Laufe des Jahres entstanden sind. Die Photos und vor allem die Videos sagen mehr als 1000 Worte - Nisha hatte ein schönes Jahr und konnte trotz ihrem Handicap ihr Leben genießen. Das Photoalbum zeigt nicht nur die Wintermonate, sondern auch die schönsten Momente vom ganzen Jahr. Bitte auf folgendes Bild klicken, dann öffnet sich das Album:

Photo Dastan

Im Januar/Februar 2013 waren Timish und Nisha zusammen läufig. Timish ist immer fürchterlich verliebt in Nisha in dieser Zeit und flirtet auf Teufel komm raus :) . Nisha ist zwar sehr oft genervt, aber insgeheim gefällt es ihr dann doch. Das folgende Video zeigt einen Spaziergang im Schnee und wie Timish mit Nisha auch während der Spaziergänge flirtet:

Um einen Eindruck davon zu bekommen, was die Läufigkeit sonst noch so "bewirkte" und Sie eine Ahnung davon bekommen, wie nervig das auch für uns sein kann (denn in der Standhitze ging das dauernd so zu!), hier noch ein Video von Timish's Bemühungen gegenüber Nisha:

Nisha hat die Spaziergänge im Rolli immer sehr genossen, auch wenn sie sich durch den Schnee kämpfen mußte. Auf folgendem Video ist Nisha auf Mäusejagd. Als sie noch laufen konnte, hat sie das für ihr Leben gern getan und war dabei immer voll konzentriert. Seit ihrer Krankheit und zunehmender Lähmung machte sie es viel seltener, da ein Mäusesprung ja nun nicht mehr möglich war. Aber einmal konnte ich es sogar filmen, wenn auch einen Tick zu spät, denn der "Sprung" ist leider nicht drauf. Ein Ausdruck der Lebensfreude, die sie hat:

Seit dem Juni 2012 bereichert uns, wie schon weiter oben erwähnt, Nisha's Enkel bzw. Shaya's Tochter Yasha unser Rudel (D-Wurf). Yasha ist immer fröhlich, sie findet alles lustig und genießt jede Sekunde ihres Lebens. Mit ihrer Lebensfreude steckt sie alle anderen an - auch Oma Nisha! Wenn Yasha mal wieder ihre 5 Minuten hat (was mehrmals am Tag vorkommt ;) ) dann kann sie sogar Nisha zum Spiel animieren. Ich könnte dabei stundenlang zusehen, denn dabei geht mir einfach nur das Herz auf! Das folgende Video zeigt Yasha's abendliche 5 Minuten:

Im Juni 2013 fand ein SWH-Treffen mit Spezialzuchtschau für Saarlooswolfhonde in Niederkrüchten am Venekotensee statt, nahe der niederländischen Grenze. Wir haben lange hin- und herüberlegt, ob wir Nisha überhaupt mitnehmen können oder ob einer von uns mit ihr zu Hause bleiben soll. Doch Nisha war zwar inzwischen fast gelähmt, hatte aber keine Schmerzen und fühlte sich offensichtlich gut und wohl. So haben wir dann doch entschieden, daß wir alle zusammen fahren und Nisha an diesem Ereignis teilnehmen sollte. Und wir haben es nicht bereut. Für sie ist so ein Treffen ja auch aufregend und eine willkommene Abwechslung vom Alltag, der seit ihrer Krankheit eh schon sehr eingeschränkt abläuft. An der Spezialzuchtschau konnte sie zwar nicht teilnehmen (ich hätte sie ja sehr gerne eines Tages in der Veteranenklasse ausgestellt, aber leider war uns dies vergönnt), aber an allem anderen. Sprich auch an den Spaziergängen um den Venekotensee. Für Nisha haben wir zwar teilweise den Spaziergang etwas abgekürzt, aber sie ist doch 1 bis 1 1/2 h mitgelaufen und das zweimal am Tag. Einmal machte sie deutlich, daß sie gerne in den See möchte und Herrchen hat ihr über das Ufer geholfen, so daß sie in's Wasser konnte. Folgendes Video ist dabei entstanden:

Der Juli und August brachte dann einige sehr heiße Sommerwochen. Um uns und den Hunden Abkühlung zu verschaffen, sind wir ab und zu an einen Baggersee gefahren um eine Runde zu schwimmen. Da kam Herrchen auf die tolle Idee, Schwimmflügel für Nisha zu basteln. Er befestigte an einer Tragehilfe leere Plastikflaschen, die für den nötigen Auftrieb sorgen sollten. Gespannt sind wir zum Baggersee gefahren um zu sehen, ob die Konstruktion hält, was sie verspricht. Und es hat geklappt! Nisha konnte mit ihren Schwimmflügeln sehr gut schwimmen und hat das auch offensichtlich genossen. Zur Sicherheit ist einer von uns auch in's Wasser und immer in der Nähe von Nisha geblieben, falls doch etwas passieren sollte. Sie ist zwar keine weiten Strecken geschwommen, aber doch immer wieder ein Stückchen raus um dann wieder an's Ufer zurückzuschwimmen, um eine Pause einzulegen.
Das folgende Video ist bei so einem Ausflug entstanden - Photos von der Premiere gibt es in dem Photoalbum oben. Unser Jungspund Yasha ist eine kleine Wasserratte, "normal" in's Wasser gehen ist ja zu langweilig, nein - es muß schon jedesmal ein tollkühner Sprung sein, wie sie ganz anschaulich in dem Video demonstriert :).

Daß Nisha gute Laune hatte und sich sichtlich wohl fühlte, zeigen nicht nur die Videos und Photos vom Spiel mit Enkelin Yasha, aber auch solche Dinge wie auf dem folgenden Video, wo sie im August Äpfel durch die Gegend trägt und scheinbar dabei "lacht". Sie ist beim Spaziergang (und auch sonst) immer für ein Leckerlie zu haben und bettelt oft danach, indem sie sich einfach von hinten zwischen die Beine von mir oder anderen Menschen drängt. Am Ende von dem Video gibt Nisha noch ein kleines Heulkonzert.
Oft werde ich gefragt, ob und wie Nisha denn ihr Geschäft im Rolli machen kann. Für alle, die das schon immer wissen wollten, bitte das Bild anklicken und den Film anschauen ;)...

Und weil's so schön ist, habe ich nochmal ein Video zusammengeschnitten, welches an verschiedenen Tagen im September und Oktober die "morgendlichen 5 Minuten" von Nervzwerg Yasha zeigt. Nach dem Frühstück gibt es für die Hunde ein paar Leckerlies, was die Laune sichtlich ansteigen läßt. Yasha kommt dann meist in Fahrt und animiert auch alle anderen zum Spielen - oder nervt einfach nur ;)....Oma Nisha läßt sich aber gerne erweichen und geht auf ihre Enkelin ein:

Wie ich schon erwähnt habe, ist Nisha immer für ein Leckerlie zu haben. Komme ich aber mit dem Futternapf, ist sie ganz aufgeregt und wufft mit ihrer inzwischen schwachen Stimme und würde wohl am liebsten aufspringen, was sie leider nicht mehr kann. Auch hier kann man gut erkennen, daß sie noch Lebensfreude hat, denn ein Hund der leidet und dem es schlecht geht, hat keinen solchen Hunger.

Das Jahr 2013 war teilweise sehr anstrengend für uns, aber Nisha hatte eine schöne Zeit und dafür hat es sich gelohnt. Leider ist es so, daß diese schlimme Krankheit einfach nicht still steht. Sie schreitet immer weiter fort, schleichend, aber stetig. Nisha konnte am Anfang des Jahres noch gut mit den Hinterbeinen mithelfen, wenn sie im Rolli gelaufen ist. Doch im Laufe der Zeit hat sie die Hinterbeine immer weniger bewegt, so daß der Biko-Expander irgendwann nichts mehr brachte, sondern eher hinderlich war. Also haben wir seit August immer wieder versucht, die Beine im Rolli hochzuhängen (dafür gibt es am Rolli eine Vorrichtung und Schlaufen, wo man die Beine aufhängen kann), doch sie hatte noch zu viel Kraft und fing an zu "rudern", also seitlich mit den Beinen auszuschlagen während des Laufens. So bestand die Gefahr, daß sie die Pfoten in den Rädern einklemmt. Selbst mit einer selbstgebastelten provisorischen Vorrichtung ist es uns nicht geglückt, die Beine zu stabilisieren. Also hat sie die Beine eine Zeit lang - die Pfoten geschützt mit Pfotenschutzschuhen - mehr oder weniger auf dem Boden hinter sich hergeschleift. Im September war es aber so weit, daß wir die Beine dann doch hochhängen konnten. An solchen Dingen merken wir dann immer, daß die Krankheit fortschreitet, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht offensichtlich sieht, da sie eh nicht mehr laufen kann.

Ihre Rückenmuskulatur hat enorm abgenommen, wohingegen es erstaunlich ist, daß sie immer noch Oberschenkelmuskeln hat. Ich vermute mal, daß die Bewegung im Rolli doch die Muskeln noch etwas beansprucht, so daß sie sich nicht völlig abbauen. So sieht man Nisha optisch die Krankheit so gut wie nicht an.

Im August hatte ich ein nettes Gespräch mit Frau Dr. Dietschi von der Universität Bern in der Schweiz. Sie betreut ein Forschungsprojekt zur Degenerativen Myelopathie, welches insbesondere dazu dienen soll, einen Gentest für den Hovawart zu entwickeln. Sie ist aber auch interessiert an Blutproben von erkrankten Hunden anderer Rassen. Ich habe von Nisha deswegen eine Blutprobe dort eingeschickt. Während dem Gespräch bekam ich von Frau Dietschi den Tip, daß man dem Hund die Blase ausdrücken kann, um der Inkontinenz etwas entgegenzuwirken. Als ich die Blutprobe von meinem TA entnehmen ließ, hat er mir auf mein Nachfragen gezeigt, wie man bei einem Hund die Blase entleert. Eine regelmässig vollständig entleerte Blase wirkt auch potentiellen Harnleiter- oder Blasenentzündungen entgegen. Denn wenn immer ein Rest Harn in der Blase verbleibt, können sich schnell Bakterien entwickeln, die zu einer Entzündung führen. Ein schmerzhaftes Problem, welches viele DM Hunde im fortgeschrittenen Stadium haben.
Nisha hatte zu dem Zeitpunkt hin und wieder Probleme, den Urin zu halten und verlor ab und zu kleine Mengen Urin. Also haben wir angefangen, ihr am Ende von jedem Spaziergang die Blase auszudrücken und haben dabei gemerkt, daß sie tatsächlich die Blase bei einem Spaziergang nicht mal annähernd selbst entleert - es hat sich gelohnt!

Im Oktober war Nisha wieder zusammen mit Timish läufig. Gegen Ende dieser Läufigkeit, also Ende Oktober, gab es 3 Tage, an denen sie richtig inkontinent war, sprich große Mengen Urin unkontrolliert verlor. Für Nisha war das ein großes Problem, sie winselte und versuchte, das Unglück zu beseitigen. Wir merkten, wenn es so weit ist, daß sie den Urin nicht mehr halten kann, daß sich die Krankheit zu einem richtigen Problem entwickelt. Denn das ist für uns nicht mehr händelbar, da Nisha ein paar Stunden am Tag aufgrund unserer Berufstätigkeit mit den anderen Hunden alleine bleiben muß. Sie kann nicht einfach aufstehen und sich woanders hinlegen, wenn so ein Unglück passiert...
Gott sei Dank war der Spuk nach 3 Tagen wieder vorbei und sie war wieder dicht - bis zum heutigen Tag. Man darf ihr nur nicht auf den Bauch drücken, denn dann passiert es auch, daß sie Urin verliert. Doch wir haben so unsere Techniken entwickelt, Nisha zu tragen bzw. bei kleineren Strecken im Haus oder Garten beim Laufen zu unterstützen. Auch die Tragehilfe (Photo weiter oben) ist dabei eine große Hilfe.

Während ihrer Läufigkeit im Oktober hat Nisha aufgehört, selbstständig zu pinkeln. Das eine oder andere Mal hat sie es noch angedeutet, aber mehr auch nicht. Sie verlässt sich nun vollkommen darauf, daß wir ihr die Blase ausdrücken.

Den Kot kann Nisha schon seit einigen Monaten nicht mehr kontrollieren, anfangs passierte nur sporadisch ein Unglück und dann immer häufiger. Es kam so schleichend, daß ich gar nicht mehr sagen kann, wann es genau anfing. Aber zu 95% hat sie eine sehr gute Verdauung, so daß man es einfach beseitigen kann. Selten passiert es aber auch, daß sie mal Durchfall hat - dann wird es natürlich unschön und ein Bad ist angesagt. Die Kot-Inkontinenz stört Nisha im Gegensatz zur Urin-Inkontinenz gar nicht. Es scheint ihr völlig egal zu sein. Somit ist das ein Problem, welches ganz gut zu händeln ist. Eine Einschränkung gibt es jedoch dadurch: Besuche bei Verwandten, Freunden und Bekannten mußten wir deswegen auf ein Minimum reduzieren. Diese Krankheit schränkt den Alltag doch sehr ein.

Seit Kurzem hat Nisha zunehmend auch in der Vorderhand eine Schwäche. Ende Oktober / Anfang November ist es mir das erste Mal aufgefallen und seitdem - also innerhalb von einem Monat - hat es sich deutlich verschlechtert. Daran merken wir nun schon wieder, wie die Krankheit doch immer weiter fortschreitet :(. Nisha tut sich im Rolli immer schwerer, wenn das Gelände etwas steiler wird, kommt sie kaum noch weiter, nur mit größter Anstrengung oder unserer Hilfe. Auch kommt es immer wieder vor, daß sie vorne hinfällt (in eine Art "Spielaufforderungshaltung"). Der Schnee in diesem Winter wird auch ein großes Hindernis sein - den ersten Vorgeschmack haben wir letzte Woche schon bekommen. Es lag nicht viel Schnee, aber das hat schon gereicht. Sie braucht immer mehr Zeit für den Spaziergang, weil sie oft Pausen macht und wir dann auf sie warten müssen. Sie schafft nur noch die kleine Runde von etwa 1 km, ca. eine halbe Stunde brauchen wir dafür. Die größere Runde von etwa 3-4 km ist sie im August zum letzten Mal gelaufen. Im September haben wir auf etwa 2 km reduziert und nun sind wir bei maximal 1 km angekommen.
Am liebsten liegt Nisha auf ihrem Hundekissen und schläft oder schmust mit uns. Wenn sie liegt, scheint sie sich sehr wohl zu fühlen, sie hat dann gute Laune, will schmusen, hat Hunger und macht keinen leidenden, sondern einen sehr entspannten Eindruck.

Ein Blick in Nisha’s Augen sagt mir, daß sich all die Mühe lohnt. Sie möchte leben! Sie hat absolut keine Schmerzen – wenn man so will der einzig positive Aspekt dieser Krankheit. Dies wurde auch von zwei Physiotherapeuten, dem schweizer Neurologen, welcher das MRT von Nisha gemacht hat, und meinem TA bestätigt. DM verursacht keine Schmerzen. Somit hat man die Möglichkeit, dem Hund trotz der Lähmungserscheinungen mit einem Rolli zu helfen.

Hunde sind pragmatisch, sie machen einfach weiter, sie nehmen ihr Schicksal hin und haben kein Mitleid oder gar Selbstmitleid. Wir Menschen können uns davon eine Scheibe abschneiden, denn wenn jemand ein Problem mit so etwas hat, dann sind wir Menschen das! Der Mensch gibt oftmals sehr schnell auf – sobald es unbequem wird. Ein Hund braucht in so einer Situation nicht unser Mitleid, sondern unsere Hilfe und Unterstützung. So kann er auch trotz Handicap noch eine schöne Zeit haben. Vielleicht kann Nisha’s Geschichte dazu beitragen, daß andere DM Hunde vielleicht auch die Chance bekommen, trotz der Krankheit das Leben zu genießen und daran teilzuhaben.

Uns läuft dennoch langsam die Zeit davon. Diese Krankheit ist nicht aufzuhalten und wenn sie noch weiter fortschreitet werden wir vielleicht schon bald an einem Punkt sein, an dem wir eine Entscheidung treffen müssen. Vor diesem Tag habe ich große Angst, dennoch werde ich dann wissen, daß wir alles, was in unserer Macht steht, für Nisha getan haben und daß sie und wir noch eine schöne gemeinsame Zeit hatten.

Update 23. Januar 2014

Der Winter war bis jetzt ungewöhnlich mild. Für Nisha ein großes Glück, denn sie hätte es nicht mehr geschafft, sich durch Schnee zu kämpfen.
In den letzten Wochen ist die Krankheit noch schneller als sonst vorangeschritten. Nisha wurde immer schwächer, die Krankheit hat immer mehr Besitz von ihren Vorderbeinen ergriffen. Ihre Handgelenke wurden immer "weicher" und sie fing an, auch vorne zu überköten. So kam es immer öfter vor, daß sie im Rolli hingefallen ist. Wenn das passiert ist, blieb sie einfach liegen, als würde sie aufgeben. Sie kam nur noch mit Hilfe wieder hoch. Aber sie wollte eigentlich gar nicht mehr laufen, sondern am liebsten nur noch liegen. Sie war einfach nur noch müde. Seit ungefähr Anfang Januar konnte sie sich im Liegen nicht mehr selber drehen. Sie jammerte dann, damit wir ihr dabei helfen. So mußte ich auch nachts mehrfach aufstehen, um sie zu drehen oder aus einer ungünstigen Liegeposition zu befreien.
Auch der letzte abendliche Pipigang wurde zu einer kleinen Tortour, denn sie wollte nicht mehr aufstehen und ich schaffte es nur mit viel Mühe, sie in den Garten zu befördern, um ihre Blase zu entleeren.
Trotz allem hatte sie immer noch Appetit und das Highlight des Tages war immer noch die Fütterungszeit.
Es war aber so kein Leben mehr für alle Beteiligten. Nisha hatte zwar keine Schmerzen und konnte sich im Liegen entspannen, das einzig Gute an der Situation. Doch sie wurde immer müder und kraftloser, wollte nicht mehr im Rolli laufen und konnte somit immer weniger am Leben teilhaben. Viele Dinge, auch Kleinigkeiten, zeigten mir, daß es nun einfach genug war.
Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber für Nisha war es das Beste. Wir haben sie am 21. Januar 2014 nach 2 1/2 Jahren Symptomen von Degenerativer Myelopathie und einem Jahr im Rolli über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Hätten wir noch länger gewartet, dann hätte sie vermutlich schon bald Probleme mit dem Schlucken und Atemnot bekommen. Sie sollte nicht leiden und deswegen haben wir diese schwere Entscheidung getroffen.

Nun kann sie wieder zusammen mit Yuma über die Wiesen rennen, so wie früher. Nicht nur in ihren Träumen!
Nisha wird immer in unseren Herzen sein, sie ist das Beste, was uns passieren konnte. Wir vermissen sie unendlich!

In diesem Album sind die letzten Photos von Nisha vom 20. Januar 2014:

Photo Dastan

23.01.2014